About to be

Lächelnd schaute ich auf die mit rotem Füller vermerkte Punktzahl. Zweistellig. Nur einen Punkt unter der für meine Verhältnisse extraordinär guten Mitarbeitsnote. Damit wäre das beste Fach wohl entgültig gefunden. Der Grund für die unvermittelte, tiefgreifende Freunde bestand nicht nur aus zwei Ziffern. Sondern aus der schlichten Tatsache endlich mal besser zu sein. Mal zwei, drei Punkte über dem Durchschnitt, statt in -ratet welchem- Fach um exakt dieselbe Quote drunter. Besser als die breite Masse und besser als jene Person die nichts besseres zu tun hatte als sich gar nicht versteckt über ihre Glanzleistung im nicht erwähnten (von mir nicht beherrschten) Fach zu freuen während ich so drastisch und unvermittelt unter fünf Punkte sackte, dass mein Ego einen schweren Schlag erlitten hatte. Es ist kleinlich und für die Welt nicht wirklich relevant. Aber mir rettete es den Tag. Dieses besser sein als.

Nachdem ich schreiben, lesen und laufen gefühlte Ewigkeiten lang wegen scheinbar wichtigerem zurückgestellt hatte war ich gerade dabei wieder auf die Füße zu kommen. Weg von Panik. Weg von Angst. Hin zu dem, was mich bis jetzt mein ganzes Leben lang begleitet hat. Ich glaube es ist das schlechteste aller Zeichen gewesen ebendiese Hobbies in den Wind zu schreiben für die Arbeit, Familienstreitigkeiten und Dinge die eigentlich gar nichts bringen. Vielleicht hat mich gerade das richtig fertig gemacht. Wie auch immer.

Heute kam ich heim und war endlich wieder in der Lage das Wochenende als lange, verdiente ruhige Auszeit anzusehen. Das war vor ein paar Stunden. Ich weiß nicht wie viel noch davon übrig ist, von dem überzeugten Denken alles sei wieder ok. Aber ich weiß, dass ein in dieser Hinsicht äußerst ähm zuverlässiger, sich auskennender Mensch mir versichert hat ich sei auf dem richtigen Weg. Ich weiß das ich wieder schreibe. Und das man einen Weg hinaus aus der falschen Richtung, dem tiefsten Tief auch nur Schritt für Schritt gehen kann.

Wie jetzt jemand bestimmtes sagen würde reicht die Normalität fürs erste auch aus, weil es ja die Höhenflüge sind die so oft schiefgehen. Normalität ist da um einiges stabiler. Sicherer.

„Sicherheit schaffen.“ Worte die es schafften Tränen an die Oberfläche zu befördern, von irgendwoher hochsprudeln zu lassen, obwohl gar nicht bewusst war wie sehr sie unterdrückt wurden.

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Time.

Dann starrte ich das Buch auf meinem Schreibtisch an. Verwirrung machte sich in mir breit. So spät abends… Physik durchgerechnet, kein Problem. Was neu ist, früher habe ich die Aufgaben nicht begriffen, mittlerweile habe ich jedoch halbwegs geblickt um was es geht. Die paar Nummern kosteten mich nur eine halbe Stunde, plus minus. Die politischen Modelle waren soweit auch in meinem Kopf gelandet  – doch was war mit dem Rest? Wieso stand ich am Samstagabend schon wieder mit dem Wissen da, dass ich den kommenden Tag genauso „vertrödeln“ würde um mich in den letzen Stunden des Sonntags mit dem Zeichnen von Kurven und entwerfen von Schablonen zu beschäftigen? Ich verstand nicht was zum Teufel hier immer schief ging. Vor zwölf aufgestanden, bis mittags sogar den ganzen lästigen Aufräumkram geschafft. Dann… ein paar Stunden Sport, was ich einfach brauchte. Anschließend wohl mal kurz iwas für die Schule getan, dann essen, duschen, neuen Uhr abends?! Ständig macht die Zeit so komische Sprünge und ich weiß nicht wieso.

In der Schule gibt es derzeit nur ein Fach was mir Kopfzerbrechen bereitet. Was ich zusammen mit „meiner Nachhilfe“ hoffentlich bald in den Griff kriege. Mittlerweile bin ich darauf umgeschwenkt ein, zwei Tage oder manchmal auch ein paar Stunden vor der Arbeit Crashkursartig den Stoff in meinen übermüdeten Kopf zu zwingen, ihn in mehreren Stunden aufgabenbezogen niederzuschreiben – verdammte Prüfungssituationen – und anschließend wieder zu vergessen. Ist nicht das schlauste, wenn irgendwann das Abi ansteht, aber im Moment bin ich für alles andere zu chaotisch. Zu abgelenkt. Zu sehr mit anderem beschäftigt.

„Ja, das ist dann meistens so. Wenn es irgendwann schief geht, merkt man, die Probleme haben schon viel früher angefangen“, sagte dieser freundliche Mensch, der mir mit scheinbar aufrichtigen Mitgefühl vor ein paar Tagen die Tränen in die Augen getrieben hat. Und was tut der moderne Mensch? Die Symtome beseitigen. Schauen, dass die liebe Kleine sich weiter wacker durchs Leben schlägt statt einmal innezuhalten und zu fragen warum es überhaupt schiefläuft.

Auf dem Weg in die Stadt begegnete ich einem scheinbar äußerst intellektuellem Trio. Zwei Männer, eine Frau, leicht versnobte Bürokleidung, freundliche Gesichter.
„So ist das halt in unserer Gesellschaft. Man macht sich selbst so viel Druck und dann ist da noch der Stress, der von außerhalb kommt“, sagte einer des Trios bevor sie weiterzogen. Es juckte mich förmlich in den Fingern ihn zu fragen was man denn da am besten tut. Wenn er sich über sowas auslässt, könnte er dann nicht vielleicht die Lösung gleich mit präsentieren?

Halb zehn.
Zeit, wo bist du?
Und du, Sinn für intelligente, ansprechende Texte, was ist mit dir?
Auf dem Weg.

Modelminton

Gefühlte Wochen den Kopf verloren. Eine fiese, unterschwellig Anspannung die einfach nicht mehr gehen wollte. Der größte Krach, den ich daheim je hatte. Eine Halloweenparty, die mir bereits nach fünf Minuten die Frage aufnötigte warum ich nicht selbst gefahren war, statt mich mitnehmen zu lassen. All das verblasste als wir mit dem Spiel begannen.

Irgendwann war ich einfach drinn. Mein Kopf schaltete sich ab, ich konzentrierte mich aufs Springen, Laufen, den richtigen Winkel zum Abschlagen. Badmintion ist die einzige Sportart, bei der ich jemals ernsthaftes, aufrichtiges Lob kassierte. Bei der es mir gelingt meinen Gegner auszuspielen. Hier freue ich mich sogar auf jemanden der seinerseits etwas drauf hat, weil das Spiel dann interessanter wird. Bin ich dagegen gefragt jdn im Laufen den Ball abzunehmen sieht es düster aus für die sportliche Erfolgsquote.

Ich erntete aufrichtige „Gut gemacht“-s (über die orthographische Form lässt sich hierbei sicherlich streiten), das Model hingegen wurde über die korrekte Schlägerführung belehrt.

Zum  ersten Mal verflog die Zeit wieder. Ich war glücklich, für einen Moment wieder vollkommen bei etwas dabei. Doch dann mussten wir gehen. Raus ins Angesicht des nasskalten Herbstwetters. Zurück in die einem ins Gesicht schlagende Realität. Im Bus über die eigene Unfähigkeit sich festzuhalten durchgeschleudert worden. Relfexartig an Schuhe, Tasche und Ordner geklammert um alles beisammenzuhalten. Was ist nur aus Turnbeutel und Schulranzen geworden? Nebenan reden Leute über Studienbeginn, Kinderkriegen und ausziehen. Hmpf.

Im Auto zusammengepfercht auf zu wenig Raum. Diskussion über die Nachrichten. Das Thema mochte gehoben gewesen sein doch es änderte nichts an der frustierenden Tatsache, dass niemand meinen Standpunkt begriff. Es ist doch niemals so wie es aussieht. Manchmal habe ich diesen irrsinigen Refelx mit den Zähnen knirschen zu wollen, weil Menschen Dinge nicht verstehen, die sich direkt vor ihren Augen abspielen. Ich meine nach ernsthafter, gründlicher Erklärung nicht verstehen. Einfach, weil es nicht in ihren Kopf geht das manches verdammt nochmal anders ist.  Whatever. Ich glaube, manchmal muss man einfach mit der Forderung zurückstecken wonach in jedem Mensch der Sinn fürs… für, ach was weiß ich wie ich das nennen muss. Fehlende Veranlagung das zu begreifen was über einen montonen, gleichförmigen Alltag hinaus geht.

Augenblick

Und dann holte ich einfach ganz tief Luft, ging die paar Schritte nach vorne und sagte was zu sagen war. Lächeln, Worte, Glück. Das Gefühl, das der Druck der letzten Wochen wenigstens ein Stück weit von meiner Schulter zu rutschen schien. Endlich verschwand das elende Gedankenkarusell was mir meinen Schlaf und meinen Seelenfrieden raubte, beständig und stetig.

Ich wusste gar nicht, dass ich das alles kann. So viele schwierige Gespräche, Wendungen, Veränderungen. In so verdammt kurzer Zeit. Manchmal wirft das Leben alles durcheinander, die vertrautesten Dinge auf den Kopf. Und irgendwie scheine ich mich damit arrangiert zu haben. Es ist wie eine radikale Komplettänderung meiner ganzen Art und Weise, innerhalb weniger Monate.

Ein paar Worte machten alles wieder gut.

Fehlender/de was? [Unkonstruktiver (?) Frustabbau live]

„Ich kann das nicht. Ehrlich, da kriege ich nie meine Punkte.“
„Boah, natürlich kannst du, stell dich nicht so an.“
„Ja klar…“

Früher mochte ich Kunst am liebsten in der Schule. Man saß einfach gemütlich zusammen, quatsche und rührte mit Pinseln in buten Farben rum. Mittlerweile werden viele Gespräche durch diverse Mp3-Player oder besorgte Diskussionen um Noten bzw. Punkte ersetzt. Oh verdammt, ich will die Zeit zurück als man sich noch nicht fürs Abi qualifizieren musste, die Versetzung selbstverständlich war und man nicht die ganze Zeit dieses fiese Gefühl hatte alles könne ganz schnell nach hinten losgehen.

So absolut unrealistisch

Sie total im Stress, Hochwasserhose zu Laufjacke, alte, regennasse Turnschuhe, Fahrrad, Helm auf strubbelige Haarmähne, gehetzter Blick in den Augen. Wie sie ist, rast sie durch die Gegend bis sie notwendigerweise vor einem dämmlichen, sich ihr in den Weg stellenden  Auto stoppt.

Er lässt ganz lässig die Scheibe runter, sieht umwerfend aus. Kein Stress, geniale Klamotten, nettes Auto, einfach, vollkommen relaxed. Aber auf der Suche – nach dem richtigen Weg.

Sie versucht auf drei verschieden intelligente Weisen zu gleichzeitig erklären wo das ist. Sie weiß es, sie weiß es, sie weiß es! Ihr Mund fabriziert daraus einen Wortsalat, der verdächtig nach wirrem Stottern klingt. Mitten im Satz holt sie Luft um ihm wenigstens zu einem sinnvollem Ende zu verhelfen. Erfolgreich. Die grobe Richtung stimmt. Mit einem schiefen, hilflosen Grinsen versucht sie ihre Verpeiltheit zu erklären, nonverbal. Verpeiltheit, endlich ist ihr die Bedeutung dieses Wortes wirklich geläufig. Sie ahnt, die Wirkung ist eher unvorteilhaft.

Er nickt offensichtlich verstehend, sagt brav danke und lächelt – nur weiß sie nicht so ganz wie weit es in ihn hineinreicht, dieses Lächeln. Sie macht sich die Gleichgültigkeit des Momentes klar. Kopfschüttelnd über die Absurdität des Lebens fährt sie weiter.

In ihr kommen Erinnerungen hoch, eindeutige Erinnerungen. Das hier war ihr Schema. Diese Szene zeigte an, wie es immer lief ohne auf dem gleichen Level zu sein. Bekam sie die Chance Eindruck zu schinden, zu flirten, was-auch-immer… vermasselte sie es. Üblicherweise befand sie sich dann optisch in einem eher desaströsen Zustand. Intelligenz, Schlagfertikeit und Wortwitz glänzten durch extreme Abwesenheit.

Aber hey, machen wir uns nichts vor, in diesem Ausmaß gehörte „sie“ doch wohl eher ins Reich der TV Soaps, der erdachten, zerplatzen Träume… nicht wahr?

Realistisch dunkel

Die Geschichte, so wie ich sie eigentlich schon die ganze Zeit erzählen wollte, begann also an einem Sonntagmorgen. Meint beginnen, im Sinne von zack, Licht an, ab nun werden die Ereignisse miteinbezogen. Et volià:

Oh mein Gott, das ist fast so schlimm wie Montag. Die Worte schleichen sich in meinen Kopf, nein, vielmehr blitzen sie schlagartig auf. Sie sind das erste, was ich an diesem Tag bewusst als Gedanken abstrahieren kann. Irgendwer fühlt sich gerade verpflichtet Hausarbeit zu erledigen und saugt. Ich weiß nicht wie spät es ist, weil ich mir nicht sicher bin ob mein Wecker sich automatisch umstellt. Doch die an meine Decke projizierte Zahl reicht zur Einschätzung aus, dass ich tatsächlich verschlafen habe. Verdammt, du musst noch so viel tun. Steh auf. Du bist sonst wirklich zu spät. STEH AUF!

In Flimen ist es an dieser Stelle immer hell. Da erscheint aufstehen als halb so schlimm. Ehrlich, achtet mal drauf. Da ist immer dieses sanfte, freundliche Licht das ankündigt: Du wirst jetzt mit diesem Tag beginnen. Vielleicht gucke ich auch das Falsche.

In meinem Zimmer ist es stockfinster wenn ich aufwache. Also: Licht an, Rolläden hoch, Fenster auf. Darüber wundern warum die Sonne scheint als wäre es der schönste Morgen aller Zeiten.

Mein Frühstück verschiebe ich auf einen Zeitpunkt bei dem ich ungestört die politsche Bildung der vergangenen Woche nachholen kann. Oh verdammt, was mache ich eigentlich mit meiner Zeit während die Nachrichten im Fernsehn kommen?

In die Zeitung schauend gelingt es mir nicht die Einzelheiten der schwarz-gelben Fortschritte zu speichern. Vielmehr drängt sich die Erkenntnis darüber auf, dass ich eigentlich woanders sein sollte. Ich, sofern ich im Urlaub auch nur einmal in Bücher geschaut hätte, nun nicht vor dem Problem stünde Stoff für zwei Wochen in wenigen Stunden abhandeln, verstehen und behalten zu müssen. Ich weiß, dass ich nicht weiß, wie ich die nächste Woche überstehen soll. Wobei ich mir durchaus bewusst bin, dass nun für mich die stressigste Phase des Jahres erst beginnt.

Gedanken ans Ausziehen. Job statt Schule. Mich fragen, was mich eigentlich davon abhält?!

Das Frühstück schmeckte nicht. Klebriges, künstliches Zeug, statt genialer Marmelade wie im Urlaub. Komisches Brot, das allen zusagt, nur mir nicht. Saft, dessen Geschmack sich mit dem der Chemie-Himbeeren beißt. Der Tag setzte sich so fort, wie er begonnen hatte. Schlecht. Große Frustration und Ärger am Abend. Was ich wirklich nicht leiden kann? Intriegen und Hinterlistigkeit. Manche Leute sind sogar zu schlecht das heimlich zu tun. Lalalala…